Südafrika oder was am Ende bleibt

oder the remains of the Game……In den Stadien und auch ausserhalb sieht man die Freude, das Lachen, die Begeisterung die das Spiel ausmacht. Eine Menge wurde investiert, die Vorfreude und der Stolz waren gross. Die erste WM in AFRIKA! Aus dem vergessenen Rand der dritten Welt, aus dem Abseits des finsteren Afrikas der ehemaligen Kolonien hinaus in die aufstrebende Welt des Morgen. In eine bessere Zukunft……, aber was wird aus diesem Traum wenn der letzte Pfiff im Stadion ertönt ist?? Was bringt die Zukunft?????
Wie sieht sie aus die Wirklichkeit in Südafrika, ein gutes Jahrzehnt nach Mandela???

Wie so oft im Leben klafft der Unterschied zwischen Anspruch und Realität ganz gewaltig. Was bringt die Ausrichtung einer WM wirklich für ein Land dessen Probleme gewaltig sind? Ein paar neue Stadien, ein bisschen Infrastruktur(Bahn, Bus, Hotels), ein bisschen mehr Sicherheit durch neue, bessere und grössere Polizeistrukturen? Ich denke es ist nichts von alledem. Es ist das Selbe was bereits die alten Ägypter mit dem Bau der Pyramiden taten. Es ist der Bau einer Zivilisation und eines Staates aus dem nichts heraus. Neudeutsch nennt man das „Nation Building“. Denn mehr wird nicht bleiben in einem Land indem das Einkommen von 20% der Bevölkerung bei 250 Rand(30€) im Monat liegt. Die Rassentrennung auf dem Papier ist Geschichte, heute trennt wie überall auf der Welt die extrem ungleiche Einkommensverteilung das Volk.

Monatliche Durchschnittseinkommen in Südafrika nach Ethnien
In Rand (ZAR) zu Preisen von 2008
1995     2000     2005     2008
Schwarze      615       576        775       846
Farbige         936      1142      1385    1496
Asiaten        2299      2022      2786    2987
Weiße          4436      5129      7646    8141
Quelle:DIW 2009
Dabei fing der Traum so schön an. Am Anfang stand, wie bei so vielen Revolutionen, der Wunsch nach Freiheit, Gerechtigkeit, Gleichheit und von einem Leben das frei ist von wirtschaftlichen Existenzängsten. Der Traum von einem kleinen Stück vom Glück. Aber die Männer Südafrikas hätten doch lieber mal einen Blick ins Geschichtsbuch getan. Sie begingen den Kardinalsfehler, sie liessen sich ihre Revolution kurz vor dem Ziel aus den Händen nehmen. Falsche Experten, die die Komplexität der Probleme benutzten, um auf die so zwingenden wirtschaftlichen Realitäten hinzuweisen. Sie sagten „Hey, get real!“ und das einzigste was sich änderte war die Hautfarbe der nun herschenden Klasse. Das System bleibt, wie in allen kapitalistischen Staaten ein System der Ausbeutung!
Eines der eindruckvollsten Dokumente der Menschlichkeit und des Willens der Menschen zu einem Zusammenleben in Frieden und Freiheit ist die FREIHEITSCHARTA des ANC(Link).
Freedom Charter, die Freiheitscharta, wurde vor 50 Jahren, am 26. Juni 1955 in der Slumsiedlung Kliptown bei Johannesburg vom so genannten Volkskongress beschlossen. 3.000 Gegner der Apartheid hatten sich hier versammelt, um mit ihrem zehn Punkte umfassenden Programm eine Gegenstrategie zur weltweit radikalsten Rassentrennungspolitik vorzulegen. Doch es sollten fast 40 Jahre vergehen, bis die Apartheid beseitigt wurde.
Da liegt das Grundproblem! Nur wenn man diese Forderungen auch umsetzt ist eine bessere Gesellschaft möglich. Dort steht „The People Shall Govern“, aber reicht dazu derGang zur Wahlurne?

The People Shall Share in the Country’s Wealth!

    The national wealth of our country, the heritage of South Africans, shall be restored to the people; The mineral wealth beneath the soil, the Banks and monopoly industry shall be transferred to the ownership of the people as a whole; All other industry and trade shall be controlled to assist the wellbeing of the people; All people shall have equal rights to trade where they choose, to manufacture and to enter all trades, crafts and professions.
Genau da liegt der Hund begraben!! Wenn das Volk nicht den Wohlstand des Landes besitzt wird es weiter von den Almosen der Reichen abhängig bleiben. Ob der Herr nun schwarz oder weiss ist, ist eine Nebensächlichkeit.

There Shall be Work and Security!

    All who work shall be free to form trade unions, to elect their officers and to make wage agreements with their employers; The state shall recognise the right and duty of all to work, and to draw full unemployment benefits; Men and women of all races shall receive equal pay for equal work; There shall be a forty-hour working week, a national minimum wage, paid annual leave, and sick leave for all workers, and maternity leave on full pay for all working mothers; Miners, domestic workers, farm workers and civil servants shall have the same rights as all others who work; Child labour, compound labour, the tot system and contract labour shall be abolished.
Welche Schwierigkeiten die Arbeiter haben ihre Lohnforderungen durchzusetzen sah man ja erst jetzt wieder während der WM beim Streik der Stadionmitarbeiter, oder bei den Bauarbeitern in der Bauphase der Stadien.

There Shall be Houses, Security and Comfort!

    All people shall have the right to live where they choose, be decently housed, and to bring up their families in comfort and security; Unused housing space to be made available to the people; Rent and prices shall be lowered, food plentiful and no-one shall go hungry; A preventive health scheme shall be run by the state; Free medical care and hospitalisation shall be provided for all, with special care for mothers and young children; Slums shall be demolished, and new suburbs built where all have transport, roads, lighting, playing fields, creches and social centres; The aged, the orphans, the disabled and the sick shall be cared for by the state; Rest, leisure and recreation shall be the right of all: Fenced locations and ghettoes shall be abolished, and laws which break up families shall be repealed.
Es gibt sie immer noch die Slums, die Townships, das Elend. Die Armut ist sogar noch gewachsen. Menschenwürdiger Wohnraum ist neben einem Arbeitsplatz für die meisten früher Benachteiligten das wichtigste Grundbedürfnis. Es wurden zwar bereits über zwei Millionen Häuser gebaut. Doch einerseits bereicherten sich daran viele Baufirmen, die minderwertiges Material verwendeten und schluderten. Und andererseits wächst der Bedarf an Wohnungen schneller als die Neubauten. So entstehen Hunderte Slumsiedlungen aus Brettern, Pappe und Wellblech, es sind heute ein Drittel mehr als noch vor zehn Jahren. Über fünf Millionen Menschen leben dort. Das einzige was gesunken ist, ist die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Wirtschaftlich, politisch und auch gesellschaftlich erwartet niemand mehr das die Forderungen der Freiheitscharta jemals Wirklichkeit werden.
Wer sich mal einen Überblick über die nackten Fakten verschaffen will, der sollte mal einen Blick auf die Zahlen des Human Development Report 2009 werfen!(Link zum HDREinen guten Überblick gibts auch auf Reset for a better world(hier)

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Ein Gedanke zu „Südafrika oder was am Ende bleibt

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