Guttenberg, der Plagiator

So langsam aber sicher geht mir diese verlogene und heuchlerische Debatte auf den Geist. Selten ist mir eine so verlogene Auseinandersetzung begegnet und noch nie hab ich es erlebt das die klar erkennbaren Konsequenzen nicht gezogen wurden. Mein Gott, hat denn dieses Weichei überhaupt keinen Arsch in der Hose? Wie tief kann man sinken, wie lange kann man sich selbst und die Öffentlichkeit belügen??…..
Ja, ich gebe es zu! Am Anfang, als die Nachricht noch ganz frisch war, hab ich mich köstlich amüsiert, laut gelacht und das virtuelle Popcorn aus dem Schrank geholt. Eine Mischung aus Schadenfreude, Spott und Hohn. Ausgerechnet unser Superminister, unser dynamischer Saubermann, den manche schon fast im Kanzleramt wähnten, wurde dabei erwischt das seine Summa cum Laude Doktorarbeit eine dreiste Fälschung ist. Göttlich, wäre es nicht die Realität kein Comedian hätte sich das besser ausdenken können. Realsatire pur, Geschichten wie sie nur das Leben schreibt. Da kann man als Drehbuchautor in Hollywood noch eine Menge lernen.

Beim Lesen seiner „ARBEIT“ fiel mir auf das sie irgendwie gar nicht nach einem Juristen klingt der über Verfassungsrecht schreibt. Es liest sich vielmehr wie die Arbeit eines Historikers der schon lange im Geschäft ist und nun mal probiert ein populärwissenschaftliches Buch zu verfassen. Beim Lesen sind übrigens die stilistischen Unterschiede geradezu augenfällig.

Ging es am Anfang noch um einige „Passagen“, um einige vergessene „Quellenangaben“, um ein paar „vergessene“ Fußnoten, stellte sich (vor allem Dank der kollaborativen Netzgemeinde) schnell heraus das das ganze Ding ein übles Plagiat ist. Keinesfalls darf man hier von ein paar kleinen Flüchtigkeitsfehlern ausgehen, ein „paar“ vergessenen Fussnoten, vielmehr deutet alles auf eine ganz bewusst vorgenommene Fälschung hin. Hier kann man sich mal die wichtigsten Stellen ansehen—>  http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/Herausragende_Fundstellen

Mich wundert es auch keinesfalls das der Herr Minister davon keine Kenntnis haben will, es ist garantiert das Werk eines Ghostwriters. Zu schade das er diesen kleinen Betrüger nicht verklagen kann. Auf diese Auseinandersetzung vor einem Gericht hätt ich mich gefreut….

Inzwischen sind  286 (d.h. 72,77%) Stellen als Plagiate bekannt. (Stand 21.02.2011). Ganz ungeachtet der notwendigen akademischen Auseinandersetzung um die Formalien einer Dissertation und um den „pseudo“-wissenschaftlichen Wert dieser „Arbeit“, geht es mir um etwas Anderes. Jeder weiss doch das eine Doktorarbeit ohne zweites Staatsexamen nicht der Aufnahme einer akademischen Laufbahn dient sondern nur als Karrieresprungbrett und Türöffner gedacht ist. Ein Blendwerkzeug für alle diejenigen die sich gerne von Titeln und Ämtern blenden lassen wollen, und das waren ja in Deutschland schon immer eine ganze Menge Leute.

Der Mann, dessen Internetauftritt (Link) von einem Riesenportrait verziert ist, auf dem in grossen Lettern steht „Verantwortung verpflichtet“, sollte sich selbst beim Wort nehmen. Er hat dem ganzen Land gezeigt das er nur ein kleiner Blender ist, einer von denen die „Leistunglos“ zum Erfolg wollen. Viel besser kann man seine charakterliche Nichteignung nicht beweisen. Niemand hätte seine Fähigkeiten anders beurteilt wenn er sich keinen Doktortitel erschlichen hätte. Jemand mit so einem Charakter kann niemals für eine offene, ehrliche und transparente Politik im Auftrag und im Interesse seiner Wähler (und dem Rest des Landes) stehen. Es gibt nur noch diese eine Konsequenz: ER MUSS ZURÜCKTRETEN!!

Alles Andere wäre niemanden mehr zu vermitteln. Der größte Teil der Bevölkerung hält unsere Politiker heute schon für realitätsfern und elitär abgehoben, wie weit soll die Arroganz gegenüber dem Volk noch gehen??

Noch haben allerdings seine „Fans“ ihren KTG noch nicht aufgegeben. Mit allen Mitteln gibt es die übliche Schmierenpropaganda der Pro-Guttenberg Fraktion.  Da wollen weite Teile der deutschen Presselandschaft eine Mehrheit der Bevölkerung ausgemacht haben die für einen Verbleib Guttenbergs im Amt sind. Hähh??? Was haben die Jungs von Emnid den Befragten bezahlt?? Oder sind die Teilnehmer der Studie gar unter Drogen gesetzt worden??, werden sie vom Verfassungsschutz bedroht?? Hiermal ein korrekt ausgewiesenes Zitat aus der Stuttgarter Zeitung:

Die ersten Umfragen zeigen, dass die Mehrheit der Bürger den Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg nicht für einen Betrüger halten. In einer Emnid-Umfrage für den „Focus“ sprachen sich lediglich 27 Prozent für einen Rücktritt des Ministers aus. 57 Prozent halten ihn nicht für einen Schwindler, wie eine weitere Emnid-Umfrage für „Bild am Sonntag“ ergab. 47 Prozent plädieren allerdings dafür, dass Guttenberg seinen Doktortitel zurückgibt – auch wenn unklar ist, ob das rechtlich möglich ist.

Ein klarer Fall von „Parallelgesellschaft“. Ein so offensichtlicher Fall von Meinungsmanipulation das einem vor Rührung glatt ein paar Tränchen die Wange runter kullern möchten. Mein Kommentar dazu: SCHÄBIG!

Wer hinter dem Facebook Auftritt „PRO-Guttenberg“ steckt kann man sich hier bei „Wikipedia“ mal ansehen. Da kann einem übel werden.

Liest man jedoch die Kommentare der Leser auf den Seiten der Zeitung dann kommen da so Sachen wie dieser Beitrag des Lesers „Skeptiker01“:

„E pluribus unum“, „Aus vielem eines“ – so lautete das Motto der Einleitung der Dissertation des Karl-Theodor zu Guttenberg 2007. „Ein Motto, das programmatisch zu verstehen ist.“ Und wie die Einleitung, so das (Mach-)Werk. Es wird immer deutlicher: Die „summa cum laude“-Dissertation des C & P-Wissenschaftlers KTvuzG ist eine Zitatenpampe ohne merkliche wissenschaftliche Eigenleistung, zusammengetragen vom parlamentarischen Dienst des Bundestages. Herr Baron haben sich zur Promotion „verhelfen“ lassen. Wenn die Uni Bayreuth ihm seinen Dr. jur. nicht aberkennt, wird sie ihr ohnehin bereits angekratztes Ansehen vollständig verdaddeln.

Es wird Zeit zu gehen, und in Abwandlung eines Satzes auf Seite 6 der glorreichen „Arbeit“ des Freiherrn zu Guttenberg sage ich Ihnen: „Verpassen sie nicht zum wiederholten Male den Kairos und lassen Sie die notwendige Unbedingtheit des Gestaltungswillen erkennen!!“

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2 Gedanken zu „Guttenberg, der Plagiator

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