Das griechische CDS Problem, Super-Gau voraus!

Untertitel : Diese Scheissdemokratie, oder die Frage warum unsere Politiker so genervt vom Griechenland Referendum sind!

Man mag im ersten Augenblick vom Griechenlandreferendum halten was man will. Gestern beschrieb ich wieso ich das geplante Referendum für einen gigantischen Pokerbluff halte, aber unabhängig von der Sinnhaftigkeit der Aktion muss man sich vor allem mit den Reaktionen der Politik befassen.

„Die deutsche Politik hat mehrheitlich entsetzt auf die überraschende Ankündigung einer Volksabstimmung in Griechenland reagiert und das Land vor den Konsequenzen gewarnt.“

So, oder so ähnlich konnte man es in fast allen Zeitungen lesen. Ist es wirklich nur das gestörte Demokratieverständnis von Merkozy & Co das eine Beteiligung des Volkes einfach nicht vorsieht. Man hat sich in der Politik offenbar daran gewöhnt dass das Volk zwangsweise abnickt, was die von Lobbyisten abhängigen Politiker beschließen. Oder geht es in Wahrheit, wie immer um Geld. Man sagt Geld ist nicht alles. Das stimmt, es ist das Einzige! Denn eines ist sicher, lehnen die Griechen das Rettungspaket ab ist Griechenland absolut bankrott. Meiner Meinung nach auch bei einem Platzen der Regierung mit anschließenden Neuwahlen.

Es geht um Credit Default Swaps, und damit um die amerikanischen Banken. It’s the economy, Dummkopf!

Niemand wird glauben das Papandreou plötzlich ein konsequenter Verfechter direkter Demokratie geworden ist, quasi über Nacht von Saulus zu Paulus. Die Opposition, Teile seiner eigenen Partei, die EU, der IWF und die EZB haben ihn in diese Situation gebracht. Seine Ankündigung verschafft ihm eine Atempause, wie man heutzutage sagt :“kauft Zeit“, mehr nicht. Und es war sein Volk, das durch wochenlange Proteste, Demonstrationen und Streiks dieses Referendum erzwungen hat.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Griechen bei dem angekündigten Referendum die ihnen von außen ausgedrückten Sparmaßnahmen ablehnen? Man muss kein Experte sein um sich selbst die Frage zu beantworten. Wie werden denn die von den Sparmassnahmen gebeutelten Griechen reagieren? Diese Frage ist eigentlich eher banal, und schnell beantwortet. Natürlich würden sie das Rettungspaket aus Brüssel ablehnen. Doch den selbst ernannten Führern der Euro Zone, Merkel und Sarkozy und den systemrelevanten Märkten ist das absolut egal. Sie sind alle furchtbar wütend, dass der griechische Premier überhaupt sein Volk befragen will. Sie erwarten nur eine strikte Umsetzung der einem souveränen Staat von außen auferlegten Maßnahmen, die den Lebensstandard fast alle Bevölkerungsschichten dieses Staates verschlechtern. Griechenland ist nichts weiter als Schlachtvieh für die Euro Zone und eine Melkkuh der Märkte und Banken.

Die Gefahr lauert ganz woanders…………

Nachdem „Mutti Merkel“ am vergangenen Freitag noch höchstpersönlich den Euro gerettet hat und „Anleger“ und „Investoren glücklich machte ist die „heile“ Welt schon wieder nur ein geplatzter Traum. Nach der Börsenrally vom Montag, Bankwerte schossen zeitweise um bis zu 20 % nach Oben,  gerieten am Dienstag die Finanz-„Werte“unter Druck und die Kurse gingen steil nach unten. Denn diesmal geht es um die Credit Default Swaps ? Warum???

Die Frage ist doch, was wäre an einem Staatsbankrott  eigentlich so dramatisch? Die Zeitung „Welt“ prophezeit in diesem Fall schon mal eine „globale Finanzschmelze“, die Ähnlichkeiten mit Lehman habe und diesmal noch schlimmer sein würde. Was sie sich allerdings unter diesem Begriff vorstellen, diese Frage bleibt offen.

Etwas klarere und erhellendere Worte findet man in der „Baseler Zeitung„. Dort wird die Gefahr deutlich angesprochen. Sie schreibt, Zitat:

Was den Marktteilnehmern derzeit Bauchschmerzen bereitet, ist die Möglichkeit eines unkontrollierten Staatsbankrotts. In diesem Fall nämlich würden die sogenannten Kreditausfallversicherungen – oder auch CDS (Credit Default Swaps) – ausgelöst. Bis jetzt hat man keine Ahnung, wie das ablaufen würde. Wer mit wie viel bei wem abgesichert ist. Das Ganze könnte in einer unkontrollierten Kettenreaktion enden.

Genau da liegt der Hund begraben. Wenn man aber so ganz nebenbei berücksichtigt das Papandreou lange Zeit für die amerikanische Investment Bank „Goldman Sachs“ gearbeitet hat erscheint die Sache in einem zwielichtigem Licht. CDS Papiere gehören bekanntlich zu den gefährlichsten finanziellen Massenvernichtungswaffen der ach so kreativen Finanz“industrie“.

Die Sprengkraft kommt aus dem Gegensatz zu einer normalen Kreditversicherung, da der Sicherungsnehmer gar nicht der Gläubiger der „abgesicherten“ Forderung sein muss. Bedeutet, jeder Depp kann CDS Papiere kaufen und mit ihnen spekulieren ohne jemals im Besitz von griechischen Staatsanleihen gewesen zu sein. Die Auszahlung der „Versicherungssumme“ ist unabhängig davon, ob man durch den Zahlungsausfall des Schuldner einen Schaden erlitten hat oder nicht. Übersetzt in deutscher Sprache, ein CDS ist wie eine Brandversicherung auf das Haus des (ungeliebten) Nachbarn.

Wenn jemand einen CDS-Vertrag schließt, ohne Inhaber einer Forderung gegen den Schuldner zu haben, so nennt man das in der Fachsprache „Naked CDS“ („CDS-Zockerpapiere – Versicherung ohne jede Sicherheit“  in Handelsblatt-Online vom 28.10.2011  )

Der österreichische „Kurier“ schreibt:

In der Praxis aber nicht ganz so einfach: Denn Banken haben mit den CDS gehandelt. Das Handelsvolumen auf griechische Staatsanleihen ist mit 74,3 Milliarden Euro mehr als 20-mal so hoch wie die tatsächlich versicherten Anleihen. Verluste mit CDS hätten nur jene Banken, die als Verkäufer die Versicherungsleistung für die Bonds auszahlen müssen. Welche Bank wie viele CDS netto hält, ist schwer zu ermitteln.

Allerdings werden auch auf die Verbindlichkeiten von Banken wiederum CDS-Geschäfte abgeschlossen. Hinweis, wer dabei an verrauchte Zockerhöhlen und illegale Wettbüros denkt, der ist der Wahrheit dicht auf der Spur. („Risiko Ausfallversicherungen -Die unbekannte Gefahr für Banken“ von Jörg Hackhausen in Handelsblatt Online vom 17.10.2011)  Die Banken kommen dann in eine Lage in der sie gleichzeitig Sicherungsnehmer und Sicherungsgeber für eine unüberschaubare Zahl von CDS-Geschäften sind. So lange alle beteiligten Spieler den Gegenspieler auszahlen können ist alles paletti. Aber wenn nicht, ich glaube das heisst im heutigen Sprachgebrauch „SYSTEMRISIKO“!! (Die unbekannte Gefahr für Banken“ in Handelsblatt Online vom 17.10.2011)

Die Hauptakteuere des CDS-Marktes, sowohl als Sicherungsnehmer als auch als Sicherungsgeber, sind die fünf weltgrößten Banken des Planeten. Kann auch nur eine ihren Verpflichtungen nicht nachkommen, oder denkt der „Markt“ dass es so sein könnte, wird es todsicher zu massiven Verwerfungen kommen.  Sollte dann an irgendeiner Stelle die Finanzierungs oder Produktionskette reißen, dann werden wir über die Sinnhaftigkeit von globalisierten, bis in’s Extrem gesteigerten Abhängigkeitsketten, ganz neu nachdenken müssen. Eine furiose Show, das Finale Grande und dann „GAME OVER!“. Das „Handelsblatt“ schreibt, Zitat:

Am Ende könnten die Banken zum Opfer ihrer eigenen Finanzprodukten werden und, wenn die CDS-Blase platzt, sich gegenseitig in den Abgrund reißen.

So ist es!! Credit default swaps müssten verboten werde. Sie sind nichts weiter als eine Art Einladung zum „legalem“ Versicherungsbetrug, und nicht nur bei „Naked CDS“!

Oft wird behauptet, CDS werden benötigt um als Maßstab zur Beurteilung der Solvenz eines Schuldners zu dienen.  Das ist Bullshit und gehört in’s Reich der kapitalistischen, neoliberalen Wirtschaftsmärchen. Eine Pseudoesoterik der Vertreter der „unsichtbaren Hand des Marktes“! Griechenland zeigt uns, dass die Kurse der CDS immer erst nach negativen Nachrichten gestiegen sind, und sie damit eher ein nachlaufender Faktor sind. Spekulationen auf die Spekulationen sollen als Preisfindungsmittel dienen, welch eine herrliche Volksverdummung!

Die Spekulanten waren es, die alles daran setzten die Kurse der CDS durch das gerüchtegetriebene Spekulieren gegen die Eurozone in die Höhe zu treiben. Die Besitzer von griechischen Staatsanleihen bekamen, zu Recht, Schiss.  Am Ende sorgte es dafür, dass die CDS – Kurse die Kurse der griechischen Anleihen bestimmten. Ball Paradox! Der Schwanz wedelt mit dem Hund!

Egal, ob es nun zu einem Volksreferendum kommt (Was genau soll eigentlich gefragt werden??), ob es Neuwahlen gibt oder eine Militärdiktatur, hier schwimmt für die nächsten Monate ein „Schwarzer Schwan“ vom Allerfeinsten. Aus diese Situation heraus kann sich alles entwickeln, aber wirklich alles. Es heisst also gespannt und wachsam bleiben.

Ich verabschiede mich für heute in einer zynischen Art die Maybritt Illner im ZDF neuerdings bevorzugt, und sage:

Bleiben Sie heiter!

 

 

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3 Gedanken zu „Das griechische CDS Problem, Super-Gau voraus!

  1. Danke – Hier liegt der Kern des griechischen Pudels. Es geht wie immer gar nicht um Griechenland sondern um das Bankennetzwerk und um die horrenden Gewinne die aus der Realwirtschaft abgegriffen werden. In USA erhalten die Banken bereits 30% der Gewinne der Unternehmen. In UK ist es ähnlich. Bewertet man die Dienstleistungen der Banken für Unternehmer und Bürger wären allenfalls 10% vernünftig. Bei den Spekulationen spielen immer „frei handelbare“ Finanzprodukte eine Schlüsselrolle. Deshalb möchten die Banken unbedingt die auf Namen bezogenen Staatsanleihen (Beispiel Bundesschätzchen) durch Eurobonds ersetzen, die frei handelbar sind. Damit läßt sich dann beliebig viel Schindluder treiben. Wehret den Anfängen!

    Ich wundere mich wie Sie, warum diese offensichtliche Sachlage in den Medien totgeschwiegen wird. Let’s Blog

    • Kurze Verständnisfrage, sind alle Staatsanleihen Namensanleihen? Auch griechische?? Wieso lässt sich dann nur relativ schwer feststellen wer die Halter sind?
      Und Danke für deinen Kommentar, aber das wäre ja „zu schön“ wenn Banken sich auf Gewinnentnahmen aus der Realindustrie beschränken würden. Ich denke da zum Beispiel alleine an Währungsderivate in Höhe von 600 BILLIONEN US$.

  2. Pingback: Das griechische CDS Problem ist ein Amerikanisches ! « Independent Blog

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